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Duke
Ellbogendysplasie (ED) Ellbogendysplasie (ED) Wir
haben für die Voice (Zeitschrift des Bullmastiff Club der Schweiz) einen
Artikel über Ellbogendysplasie (ED) vorbereitet und haben gedacht, dass dieser
Bericht auch andere Molosser-Halter interessieren könnte. Unser Bullmastiff
Duke, knapp acht Monate alt, musste bereits an beiden Ellbogen operiert werden
und muss nun strikte geschont werden, das heisst keine langen Spaziergänge und
natürlich weder rennen noch spielen... Alles
fing damit an, dass Duke schon als er ganz klein war ab und zu etwas hinkte (mal
mit dem einen, mal mit dem anderen Bein) – da es jedoch immer relativ schnell
wieder verschwand, nahmen wir an, dass es sich lediglich um Wachstumsstörungen
handelte. Als er 5 ½ Monate alt war, wollte er plötzlich während einem
Spaziergang nicht mehr weiterlaufen, blieb stehen und stellte sein rechtes Bein
nicht mehr ab. Natürlich haben wir zuerst nachgesehen, ob er sich vielleicht an
der Pfote verletzt hatte, konnten aber nichts finden, und da es trotz Schonung
nicht besser wurde, gingen wir zu unserem Tierarzt Dr. Dieter Fretz /
Kleintierklinik Cham. Der hat Röntgenbilder gemacht und die Diagnose FCP
gestellt. Um ganz sicher zu gehen, dass wir Duke die Operation nicht doch
ersparen könnten, gingen wir noch zu Dr. Mathias Weis nach Zürich (Spezialist
für Chirurgie und Orthopädie). Leider bestätigte Dr. Weis die Diagnose
(Details im Bericht unten), und zwar an beiden Vorderbeinen... wir haben uns natürlich
Vorwürfe gemacht und Dr. Weis gefragt, was wir denn falsch gemacht haben;
schliesslich haben wir schnell auf ein Erwachsenenfutter mit weniger Protein
gewechselt, haben ihn bis zum Alter von 5 Monaten immer die Treppen
runtergetragen (und Martin trägt ihn nun wieder...), haben ihn gebremst wenn er
zu heftig rumrannte und spielte... Dr. Weis sagte aber, dass Duke‘s schlechte
Passform der Gelenke genetisch bedingt sei und wir in dem Sinn nichts falsch
gemacht haben... Dr.
Weis hat Duke nun an beiden Ellbogen operiert; leider werden Duke’s Ellbogen
trotzdem immer eine Schwachstelle bleiben... Auszug aus dem Arztbericht: „Es
handelt sich um ein relativ gravierendes Problem, insbesondere wegen der
Inkongruenz und der schon beginnenden
Arthroseanzeichen. Die Operationen haben vor allem den Zweck der Schadensbegrenzung.“
Was
wir machen können ist Duke relativ schlank zu halten und gleichzeitig eine gute
Muskulatur aufzubauen, ausserdem geben wir ihm unterstützend Tabletten gegen
Arthrose. Die untenstehenden Informationen stammen von Dr. Weis, dem wir an
dieser Stelle für seine Hilfe zur Realisierung dieses Berichts danken möchten. ·
Diagnose
Duke Ellbogendysplasie
beidseits (Abk. ED) mit fragmentiertem („abgebrochenem“) inneren
Kronenfortsatz (Abk.
FCP, dieser bildet einen Teil der Gelenkpfanne) und Bildung eines Knorpelchips
am inneren Teil der Gelenkrolle des Oberarmknochens (Fachbegriff:
Osteochondrosis dissecans (Abk. OCD) am Condylus medialis humeri). Es
ist nicht sehr häufig, dass zu dem FCP noch zusätzlich eine OCD vorhanden ist.
Die OCD verschlechtert die Prognose etwas, da die Arthrosebildung dann in der
Regel beschleunigt und verstärkt wird. Die
Diagnose kann in der Regel ab dem Alter von sechs bis sieben Monaten mit recht
grosser Sicherheit festgestellt werden (mittels der klinischen und der röntgenologischen
Untersuchung). ·
Begriffe Dysplasie ist
ein lateinischer Fachbegriff und heisst: Fehlentwicklung. Ellbogendysplasie
ist demnach eine Fehlentwicklung des Ellbogengelenkes. FCP und
OCD wie auch mit der Zeit dann die Arthrose
(kann schon im Alter von sieben oder acht Monaten auftreten!) sind Folgeerscheinungen
der ED. FCP ist
die Abkürzung für einen englischen Fachbegriff und heisst Fragmented Coronoid
Process (fragmentierter („zerbrochener“) innerer Kronenfortsatz). OCD ist
die Abkürzung für einen lateinischen Fachbegriff und heisst Osteochondrosis
dissecans und bedeutet etwa Knochen-Knorpelkrankheit mit Bildung eines
(Knorpel-) Chips. UAP ist
die Abkürzung für einen englischen Fachbegriff und heisst Ununited Anconaeal
Process. Es handelt sich hier um eine spezielle Form der ED, bei der der
Processus anconaeus (die von der Elle gebildete „Gelenksnase“) isoliert
bleibt und sich nicht mit der Elle verbindet. Arthrose ist
ein lateinischer Fachbegriff und heisst etwa Gelenkdeformation. Meistens ist
diese mit einer chronischen Entzündung (Arthritis) und Schmerzen verbunden. ·
Betroffene
Hunderassen Die ED
ist eine bei vielen Hunderassen verbreitete Erkrankung. Die
am häufigsten betroffenen Hunderassen sind Berner Sennenhund, die
Retriever-Arten, Rottweiler. Die
ED kommt aber auch bei anderen Hunderassen teilweise häufig vor: z.B.
Bernhardiner, Grosser Schweizer Sennenhund, Deutscher Schäferhund,
Staffordshire Terrier, Mastiff-Arten, Beauceron, Vizsla, Belgische Schäferhunde
und andere. Die Liste ist nicht vollständig. Die
ED-Form UAP kommt vor allem beim Deutschen Schäferhund, aber auch beim
Bernhardiner und beim Rottweiler und auch anderen Hunderassen vor. ·
Ursache
der ED Verursacht
wird die Erkrankung durch eine genetisch bedingte Disposition. Die Erkrankung
beginnt mit einer mehr oder weniger schlechten Passform (mangelhafte Kongruität)
des Gelenkes, die dann in der Folge zu Überbelastungen einzelner
Gelenkknorpelabschnitte führt. Ein
Hund, der keine genetische Disposition zu dieser Erkrankung aufweist, wird
kaum an einer ED erkranken, auch wenn Fütterungsfehler gemacht werden oder der
Hund im Junghundealter starken Belastungen ausgesetzt wird. Diese beiden
Faktoren würden andere Probleme auslösen (z.B. Störungen in der
Knochenmineralisation, Übergewicht, Bänderprobleme, Knochenbrüche, aber keine
ED und auch keine HD (Hüftgelenkdysplasie)). Bei
einem Hund, der die genetische Disposition zu dieser Erkrankung hat, kann unter
Umständen der Zeitpunkt des Auftretens und / oder der Schweregrad der
Erkrankung (geringgradig) durch äussere Faktoren beeinflusst werden.
Ausschlaggebend ist jedoch klar die genetische Disposition. ·
Massnahmen
gegen ED Hauptmassnahme
zur Bekämpfung der Ellbogendysplasie ist züchterisches
Verantwortungsbewusstsein (konsequente Zuchtselektion). Es sollten
ausschliesslich ED-freie Tiere zur Zucht eingesetzt werden. Dies ist meiner
Ansicht nach eine Conditio sine qua non (wie z.B. auch das Wesen). Idealerweise
sollten zudem auf dem Stammbaum der „Zuchtprodukte“ möglichst alle Vorfahren ED-frei sein (gemäss Eintrag des Röntgenbefundes
der offiziellen ED-Auswertung). Vom
Besitzer aus kann kaum etwas zur
ED-Vorbeugung gemacht werden. Was
jedoch – bei allen Junghunden – ganz allgemein wichtig ist, um das Verletzungsrisiko
im Welpenalter zu minimieren, ist die Vermeidung von Überbelastungen. Das
heisst kein Spitzensport, keine zu lange dauernden grösseren Belastungen etc. Spielen
mit anderen Hunden (in „vernünftigem Rahmen“), Treppensteigen (nicht übermässiges)
oder ähnliches sollten für einen normalen gesunden (auch genetisch gesehen)
Junghund aber ohne Schaden möglich sein. Mit einer geeigneten, eher zurückhaltenden
Fütterung (nicht zuviel Eiweiss (nicht über 25%) und eher kalorienarm) kann versucht werden, das Wachstum möglichst gleichmässig zu halten und allzu
starke Wachstumsschübe zu vermeiden. ·
Behandlung
der ED Meistens
ist ein operatives Vorgehen nötig (Entfernung von störenden
Knorpel-Knochenfragmenten, Knorpelchips, Auskratzen von Knorpeldefekten).
Trotzdem kann die Entwicklung einer Arthrose nicht verhindert werden, das Gelenk
wird immer eine gewisse Schwachstelle bleiben, so dass manchmal auch später
immer wieder mehr oder weniger starke diesbezügliche Beschwerden auftreten können,
die unter Umständen eine Arthrosetherapie erfordern. Die
Operation hat vor allem prophylaktischen (vorbeugenden) Zweck
(Schadensbegrenzung). ·
Statistik Bisher
wurden von mir über 700 ED-Operationen durchgeführt. Im Jahr 1999 waren es 52,
2000 waren es 42, 2001 waren es 58, 2002 waren es 55, im Jahr 2003 waren es 57 Fälle.
Es ist also keinerlei Tendenz zu erkennen, dass die Problematik im Abnehmen
begriffen ist. Am
häufigsten sind unter unseren Patienten Labrador und Golden Retriever,
Rottweiler und Berner Sennenhunde anzutreffen. Die
beiliegenden Bilder (Röntgenbilder und Bilder von der Operation) hat uns
freundlicherweise Herr Dr. Weis zur Verfügung gestellt. Auf dem einen Bild
sieht man noch, wie gross die Narben sind. Wir
hoffen, dass wir mit diesem Bericht einen kleinen Beitrag geleistet haben, auf
das Problem ED aufmerksam zu machen.
Ellbogengelenk links
Ellbogengelenk rechts
FCP links
FCP rechts
Links
Rechts |